Donnerstag, 17. april 2008


Sieben Artist-Alben und 15 Chartsingles: Man kann die Bedeutung von Piet Blank und Jaspa Jones für die elektronische Musik gar nicht hoch genug einschätzen. 1997 taten sie mit ihrer Debütsingle Sunrise den ersten Schritt zum Produzieren eigener Tracks, heute sind BLANK & JONES aus der Oberliga der Elektronik-Künstler nicht mehr wegzudenken. 13 ihrer Singles gingen in Deutschland in die Top-50, davon drei in die Top-20, alle ihre Alben platzierten sich sicher in den Album-Top-50, zwei davon wiederum in den Top-10. Spektakulär der Dreiercoup, als das Album Substance, die Single Desire und die Compilation The Mix sich gleichzeitig in allen drei Chartkategorien in die Top-10 katapultierten!

Bedeutend sind die Kooperationen, mit denen BLANK & JONES ihren Status als internationale Top-Künstler festigten: Cure-Mastermind Robert Smith, Anne Clark, Sarah McLachlan und Claudia Brücken (Propaganda) verewigten sich auf BLANK & JONES-Tracks und sorgten für Credibility weit über den Dance-Bereich hinaus. Ihre Vielseitigkeit bewiesen sie u.a. mit ihren Beiträgen für die Café del Mar-Reihe und mit der Veröffentlichung zweier grandioser Chillout-Alben, Relax und Relax (Edition 2). Inzwischen haben auch die Macher der Buddha-Bar-Reihe nach einem Track von BLANK & JONES gefragt.

Im letzten Jahr erschienen dann die Single A Forest und das dazugehörige Album Monument in den USA und legten auch dort das Fundament für eine stabile BLANK & JONES-Fanbase.

Nach sieben Alben mit BLANK & JONES Originalmaterial, drei DJ-Compilations (The Mix 1-3) und 15 Chartsingles bringen Piet Blank, Jaspa Jones und ihr langjähriger Producing-Partner Andy Kaufhold nun zum ersten Mal ihr eindrucksvolles Werk auf den Punkt: The Singles, die bisher besten Tracks und größten Erfolge von BLANK & JONES - plus zwei brandneue Stücke, die exklusiv für dieses Album produziert wurden. „Wir dachten, es wäre Zeit, einmal alle Singles auf einer CD zusammen zu bringen,“ erklären Piet und Jaspa. „Es ist aber kein Resümee, eher so eine Art Zwischenbilanz. Ein Luftholen für den nächsten Abschnitt.“

Bei der Auswahl für The Singles kamen über 20 Tracks zusammen, von denen der Großteil aus Eigenkompositionen besteht. Von der ersten Single Sunrise über Chart-Breaker wie Desire, DJ Culture und Beyond Time bis hin zu den packenden Kooperationen Mind Of The Wonderful (mit Elles DeGraaf), Unknown Treasure (mit Claudia Brücken) und Revealed (mit The Church-Sänger Steve Kilbey) enthält das Album jede Menge Originalmaterial. Als eine der wenigen Coverversionen befindet sich natürlich A Forest mit Robert Smith von The Cure auf dem Album.

Für jeden Fan ein MUSS ist die hochgradig aktuelle Version von Nightfly in der WMC Retouch-Version. Der Track kommt direkt von der Winter Music Conference (WMC), auf die BLANK & JONES im März 2006 als Headliner geladen wurden, und ist praktisch kochend heiß auf dem Album gelandet. Auf der der weltweit führenden Dance-Messe sorgten BLANK & JONES mit Nightfly WMC Retouch für hochgradige Euphorie und waren am Morgen danach in diversen Online-Portalen und Blogs Gesprächsthema Nummer 1.

Zwei völlig neue Tracks bringt das Album mit: Den Track Somebody und vor allem die neue Single Catch, die auf einem Original von Kosheen von 1998 beruht und auf der wieder die phantastische Elles DeGraaf zu hören ist.

Größte Sorgfalt ließen BLANK & JONES in Sachen Sound walten. So wurden die Tracks mit viel Feingefühl remastert, aber nicht remixt. „Wir wollten, dass die Tracks ihren Originalflair behalten,“ so Piet und Jaspa. „Sie sollten genauso klingen, wie damals, als sie entstanden sind, nur der Sound sollte natürlich besser sein. Als würde man ein Bild restaurieren: Man malt es nicht neu, man lässt die Originalfarben wieder leuchten.“ Hier zeigt sich jene Liebe zur Sache, die BLANK & JONES seit je her zu Künstlern macht, die über ihren Tellerrand hinaus blicken.

In einer Limited Edition erscheint The Singles mit einer zusätzlichen DVD, die zum ersten Mal alle BLANK & JONES-Videos erhältlich macht. Und die haben es in sich, denn BLANK & JONES-Clips zeichnen sich durch ungewöhnlich hohen künstlerischen Standard aus. Und neben viel Gefühl für Dramaturgie beweisen BLANK & JONES manchmal auch einen herrlichen Sinn für Humor. Immer sind an den Clips zudem illustre Gäste beteiligt: So spielten bei Beyond Time Estella Warren und Til Schweiger mit, der auch die Regie für den Clip übernahm.

Produziert und designt wurde die DVD von Thomas Jahn, der als Drehbuchautor und Regisseur von „Knocking On Heaven’s Door“ bekannt ist und auch die Clips zu The Hardest Heart, Mind Of The Wonderful, Perfect Silence und Desire gedreht hat.

Das Video zur aktuellen Single Catch wurde von Clipregisseurin Conchita Soares und Toni Froschhammer gedreht, die attraktive Nadine Warmuth (aus der RTL-Kultserie „Hinter Gittern“) spielt die Hauptrolle. Der Clip ist nicht nur für das Musik-TV vorgesehen, sondern wird in der kommenden Saison auch auf Kurzfilmfestivals zu sehen sein.

Ihre Roots haben BLANK & JONES in der DJ-Kultur. Legendär sind ihre DJ-Sets, mit denen sie bei Mayday, Nature One oder der Love Parade Jahr für Jahr Millionen Raver zur Ekstase trieben und nach wie vor weltweit alle relevanten Clubs zum Beben bringen. Bei BLANK & JONES vermischen sich DJing und Live-Act, denn sie schöpfen alle Möglichkeiten der Technik aus: „Wir arbeiten komplett digital, nach dem Final Scratch-Prinzip,“ erläutern sie. „Es gibt grundsätzlich nur eigene Edits und Mixe, nichts bleibt unbearbeitet oder kommt einfach so vom Band. Daher gibt es bei jedem Gig ein anderes Repertoire und einen anderen Sound. Unser Set besteht heute etwa zu 60% aus eigenen Songs, denn DJing ist für uns die natürliche Art, unsere Musik live zu präsentieren.“

BLANK & JONES sind echte Global Players und genießen internationalen Ruf als Kultact. Auf den großen Festivals und Raves in Deutschland, den Niederlanden, Polen und Russland (15.000 Fans in St. Petersburg zu Anfang des Jahres!) sind sie gern gesehene Stargäste, und regelmäßig werden sie auch in Kanada, Mexiko, Südamerika und Australien gebucht.

Im Jahr 2005 hielten sich BLANK & JONES viel in den USA auf, wo vor allem A Forest durchschlagende Erfolge feiern konnte. Jenseits des Atlantiks gewinnt die Elektronische Musik weiterhin an Bedeutung, und so wird man BLANK & JONES im Laufe des Jahres in LA, San Diego, San Francisco und in vielen weiteren Städten in Nordamerika sehen können. Nach den überwältigenden Reaktionen auf die neue Single Catch, die BLANK & JONES während der Tour bereits präsentierten, können auch die amerikanischen Fans die Veröffentlichung von The Singles als drittes US-Album von BLANK & JONES kaum erwarten.
von Slater
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Sonntag, 13. april 2008

Isiah Major, wie DJ Rush mit bürgerlichem Namen heißt, kommt an den großen Seen Nordamerikas zur Welt, genauer gesagt in Chicago, dem ehemaligen Tor zu den Weiten des Westens. Verbreiteten in der Gründerzeit der Stadt die durchziehenden Wagenkolonnen mit Siedlern eine Stimmung des Aufbruchs, so ist es im Chicago der 70er und frühen 80er Jahre die lebendige Disco- und House-Szene, die als progressives Moment funktioniert.

In der bunten Vielfalt der Clubszene findet DJ Rush immer mehr Gefallen an elektronischer Tanzmusik und ist bald schon derart "infiziert", dass er in seinem Schlafzimmer anfängt an eigenen Tracks zu basteln. Gleichzeitig steht er jedes Wochenende hinter den Turntables und rockt mit 10-stündigen Marathonsets die Chicago Party Kids in der Music Box, dem Power House oder dem legendären Warehouse, wo Clubmusik einen ihrer Ursprünge hat. Als der szenebekannte DJ Rush 1991 eine erste 12" herausbringen will, muss er nicht lange nach einem Label suchen. Trax Records, weltweit eine der ersten Adressen, wenn es um House Musik geht, veröffentlicht "Knee' Deep" und macht DJ Rush schnell über Chicago hinaus bekannt.

Schon bald ließ DJ Rush das housige Erbe seiner Heimatstadt hinter sich und machte etwas Neues daraus. Seine Tracks reduzierten sich immer mehr auf die Drum- und Rhythmusparts, deren harscher Funk, charakteristisch für Rush-Tracks werden sollte. Zeitweilig in London und Berlin lebend fasste DJ Rush schnell bei europäischen Labels Fuß und veröffentlichte unter anderem auf dem Frankfurter Force Inc. Label oder dem niederländischen Djax-Up-Beats.

1998 gelang DJ Rush dann mit "Motherfucking Bass" der große Wurf: der fett pumpende Track wurde zu einer der Clubhymnen des Jahres. Seither sind die freien Wochenenden des Isiah Major gezählt. Vor allem in Europa ist er unermüdlich auf Tour und rockt die Clubs ebenso wie in seiner Heimatstadt Chicago. So viel Einsatz für die gute Party wird belohnt: 2001 wählen die Groove Leser DJ Rush zum besten internationalen DJ, eine Position, auf die in den Jahren zuvor stets Jeff Mills ein Abo hatte.


von Slater
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Samstag, 12. april 2008
Über Hells musikalische Anfänge ist wenig bekannt. Nach eigenen Aussagen fand er sich eines Tages mit Freunden als Instrumentalist unter 80er Jahre Electromusikern wieder. Seit 1983 war er als DJ tätig; erst im Club Libella, Club Troja (Altötting), dann in München im Park Café, im ARG, im Tanzlokal Größenwahn und in verschiedenen anderen Münchner Clubs und Hallen. Über New Wave, EBM, Electro und Hip-Hop gelangte er schließlich zu House und Techno.
Seine erste selbstproduzierte Single ("My Definition of House", auf R&S) wurde ein Clubhit. 1993 zog er nach Berlin und arbeitete für den Plattenladen Hardwax. Später lebte er kurze Zeit in New York und kehrte schließlich nach Bayern zurück.
Neben seiner Arbeit als DJ gründete er 1996 sein Label International Deejay Gigolos. Stilistisch ist die Musik bei Electro, House, Tech- House und Techno einzuordnen, mit Einflüssen von 80er Jahre Pop und Disco. Mit diesem Label haben bekannte Größen der Techno-, House- und Electroszene wie Jeff Mills, Dave Clarke, Tiga, Fischerspooner, Johannes Heil, Sven Väth, Miss Kittin, Anthony Rother und Laurent Garnier zusammengearbeitet. Hell trug nennenswert zum 80er Jahre Revival der deutschen und internationalen Clubszene bei. Ab 2000 betrieb er über mehrere Jahre seine Diskothek Villa im bayerischen Traunstein.
Seit Jahrzehnten ist DJ Hell Stammkunde im Münchner Plattenladen "Optimal", hier hört er sich regelmäßig Neuerscheinungen auf dem Vinyl-Markt an. "Oft weiß ich schon nach einer Umdrehung, ob die Platte zu mir passt oder nicht. Das geht nach Sounds und Informationen, die ich von der Platte bekomme", erzählt Hell. "Ich höre mir alle Musikrichtungen an, diese Anforderung stelle ich mir selbst. Es gibt natürlich auch Leute, die sich immer wiederholen. Für mich ist die große Kunst des DJings, dass man jede Nacht eine neue Komposition, eine neue Herangehensweise findet und nie formatiert seine Sachen ineinander klebt. Deshalb hab ich immer totales Chaos in meiner Kiste, damit man nie das Gleiche spielen kann. So ist jede Nacht anders."
Als DJ tourt Hell seit Jahren durch Städte in allen Teilen der Welt, wie z.B. New York, Tokyo, Barcelona, Belgrad, Moskau und Städte in Südasien. Er arbeitet unter anderem mit dem Playboy- Gründer Hugh Hefner zusammen. Seine Auftritte auf dessen Partys machten ihn zu einem gefragten Jet-Set Star. Allerdings begibt sich der DJ nur ungern in diese Rolle, da sie nicht seiner Grundeinstellung entspricht.
von Slater
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Donnerstag, 10. april 2008












In Großbritannien zählt er allerspätestens 2004 zu den interessantesten aufstrebenden Talenten was die dortige Techno-Nachwuchsriege so zu bieten hat. Nicht nur dort, auch in Kontinentaleuropa und speziell in Deutschland dürfte sich sein Name mittlerweile herumgesprochen haben. Alex Smoke, eigentlich heißt er Menzies mit Nachnamen, steht stellvertretend für die jüngere Riege britischer Produzenten, die ihren Horizont erweitern und über den Tellerrand klassischer UK-Raveattitüde hinaus schauen. Dabei greifen sie andere Einflüsse aus Minimal, Elektronika und insbesondere der Digital Sound Processing à la Villalobos oder Luciano auf, haben den Club aber allzeit fest im Blick.

nteressanterweise besitzt Smoke einen ausgesprochen klassisch geprägten musikalischen Hintergrund. Kein Wunder, denn seine Mutter, die selbst Violine spielt, schickt ihren Sohn recht früh in den Musikunterricht, um Klavier bzw. Cello zu lernen. Außerdem singt der junge Alex Smoke vier Jahre lang im Chor der Kathedrale zu Durham, was der Ausbildung seiner Stimme sicher ebenso förderlich gewesen sein dürfte. Den anderen, sozusagen moderneren Teil der musikalischen Sozialisation des Heranwachsenden übernehmen Hip Hop und Techno z.B. durch Sendungen wie Pete Tongs Essential Mix auf BBC Radio 1. Darüber hinaus belegt Smoke einen Kurs in Sachen Sound-Engineering.

Nach dem Schulabschluss entscheidet er sich für ein Studium der Meeresbiologie an der Universität in Glasgow, das er allerdings nicht beendet. Stattdessen konzentriert sich Smoke auf die Musik, die, wie er sagt, seine erste große Liebe gewesen sei. Mit Anfang 20 konzentriert er sich aufs Produzieren von Techno-Tracks, von 2002 denen eine Auswahl als "Random As" auf dem Glasgower Undergroundlabel Savalas Records erscheinen und bei DJ Hell und Andrew Weatherall auf große Gegenliebe treffen. Das englische Magazin Jockey Slut spricht in einer Review davon, dass die Platte auch das Werk eines angepissten Funk D'Void sein könnte.

Als Soma, das Label von Slam, Smoke zwei Jahre später unter Vertrag nimmt, ist die erste Veröffentlichung sinnigerweise ein Alex Smoke Remix des Funk D'Void-Stückes "Way Up High" sowie seine Bearbeitung von Envoys "Move On". Sein erster Release für Soma nennt sich "Chica Wappa", das in einer anderen Version auch auf dem Debüt-Album "Incommunicado" enthalten ist. Beim deutschen Vakant-Label erscheinen obendrein "Ring.Click.Tink" sowie "Simple Things". Dank eines Alex Smoke scheint die Zukunft von Techno vorerst gesichert zu sein. Dazu trägt mit Sicherheit auch sein zweites, brillantes Album "Paradolia" bei, mit dem er sich in Höchstform präsentiert.


von Slater
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Dienstag, 8. april 2008
Der Schwede Adam Beyer fühlt sich unter den DJ-Monarchen bereits seit Jahren wohl. Grund genug für die Fabric-Macher, nach dem Chicago-House-Mix von DJ Heather nun mit Adam Beyer das Tempo wieder ein bisschen anzuziehen. Der Geschwindigkeitsrausch fällt jedoch längst nicht so heftig aus, wie zu erwarten war. Auch einer, der harten Schweden-Techno zum Markenzeichen machte, setzt in der Zwischenzeit gerne auf minimalistischen Techhouse. Ob in der Produzenten- oder DJ-Rolle macht keinen Unterschied mehr.


Für "Fabric 22" eröffnet Adam Beyer daher sein Set mit dem wunderbaren Slam Track "This World", im Remix von den Whignomy Brothers und Robag Wruhme. Mit DJ Minx Maxi auf Richie Hawtins Minus-Imprint und Dominik Eulbergs "Klangteppichverleger Wolle" drehen sich im Anschluss zwei feine Nummern auf den Turntables von Herrn Beyer. Gleich darauf präsentiert er mit "Snuff & Noise" auch eine eigene Produktion, die ebenfalls mit einem fein groovenden Druck aufwartet.

Während die erste Hälfte sich dem Phänomen Minimal- und Tech-House annimmt, gibt Beyer hinten raus doch noch etwas Gas. Mit dem Amerikaner Tony Rohr, der im Umfeld von Dietrich Schoenmann und Abe Duque zu Hause ist, dem Kompakt-Macher Reinhard Voigt und Cari Lekebusch steht trockener Peak-Time-Techno auf der Setlist von Adam Bayer. Dass die 20 Tracks des Albums technisch brillant miteinander verwoben sind, versteht sich beim Schweden sowieso.

Bemerkenswert ist, dass Adam Beyer, wie so viele Vertreter der ganz harten Schule, das Tempo wieder etwas gedrosselt hat. Statt willenlos dreinballernder Tools darf jetzt sogar Tyrome Palmers Gesang den "Fabric 22"-Mix eröffnen. Groove ist, was zählt. Bei Adam Beyers neuestem Release sogar über die volle Spielzeit.

von Slater
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Dienstag, 8. april 2008

Der Berliner Produzent Alexander Kowalski zählt neben Label-Owner Heiko Laux, Johannes Heil und Anthony Rother zum unverzichtbaren Stamm von Kanzleramt Records, das mit seinen wegweisenden Releaes seit Jahren zu den tragenden Stützen der internationalen Techno-Szene gehört. Mit seinem zweiten Album "Progress", das 2002 in die Plattenläden kommt, gelingt es Kowalski, sich als hoffnungsvoller Newcomer unter den deutschen Produzenten zu etablieren.

Die Initialzündung für die junge Musikerkarriere kommt, als die Familie 1986 beschließt von Greifswald, wo Kowalski 1978 geboren wird, nach Berlin umzusiedeln. Dort kommt er Anfang der 90er Jahre mit ersten House- und Techno-Platten aus Chicago in Berührung, die er begeistert kauft. Davon insiriert beginnt er selbst auf einem Amiga Musik zu machen. Schnell wachsen die Ansprüche an das Equipement, so dass Kowalski sich 1997 mit einem Freund ein kleines Studio einrichtet und sich als Produzent versucht.

 

Und der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten. Ein Freund verschafft Kowalski einen Auftritt im Techno-Herz der Hauptstadt, dem Tresor. Der improvisierte Live-Act kommt derart gut an, dass die Tresor-Crew sogleich ihre Finger nach dem Talent ausstreckt. "The Wide Theatre", der erste Track von Alexander Kowalski, erscheint 1997 unter dem Aka Dis X 3 auf der Tresor "Headquarters"-Compilation und öffnet ihm viele Türen. Er veröffentlicht ab 1999 erste EPs und spielt anläßlich der Love Parade zusammen mit seinen Freunden von Sender Berlin im Tresor.

Durch Zufall wird der Kanzleramt-Chef Heiko Laux auf Kowalski aufmerksam und holt ihn zu seinem Label. Remixarbeiten unter anderem für Christian Morgenstern und eigene Releases auf Konsequent, Tresor und Kanzleramt folgen, wo 2001 auch seine Debüt-LP "Echoes" erscheint. Publikum und Kritiker sind gleichermaßen begeistert. Der endgültige Durchbruch gelingt im folgenden Jahr mit dem Album "Progress", auf der sich auch die Hitsingle "All I Got To Know" mit Sänger Raz Ohara von Kitty Yo findet. Festivalauftritte und Remixe für Elektrochemie LK, Martini Brös. und viele mehr, halten den Berliner auf Trab. 2003 legt er mit "Response" noch einmal nach. Mit seinem 2006er Album "Changes" nimmt Kowalski eine stilistische Neuausrichtung seiner Musik vor. Statt Detroit rückt mehr und mehr die Großraumdisco in den Blick. Trotz Kooperationen mit Joris Voorn und Funk D'Void.

von Slater
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Montag, 7. april 2008
Ich will etwas aussagen, ob das wichtig oder nicht wichtig ist, muss dann jeder für sich entscheiden."

So äußerte sich Anthony Rother 1998 gegenüber dem Groove Magazin, aber für Rother stand schon immer fest, dass Musik Emotionen transportieren soll. Seine ersten Releases hat Anthony Rother auf dem damals noch unbekannten Kanzleramt-Label von Heiko Laux. Doch bevor er seine Debütsingle veröffentlicht, bastelt er schon fleißig an verschiedenen Beats, die aber mehr aus Klangkollagen von diversen sphärischen Flächen bestehen.

Sein Debütalbum und wohl bekanntestes Werk "Sex With The Machines" erscheint ebenfalls auf Kanzleramt. In den folgenden Jahren produziert Rother für Kanzleramt, Elektrolux und eine Hand voll anderer Labels. Rother gründet sein eigenes Label Psi49net, das er als Plattform seiner Kreativität nützt und unter Pseudonymen wie "Little Computer People" Tracks produziert. Von denen Karl Bartos (Kraftwerk) einen Remix erstellt.

Auf psi49net veröffentlicht Rother auch seine Bearbeitung des Kraftwerk-Klassikers "Trans Europa Express", das eine Zeit lang in jedem Set verschiedenster Szene-DJs auftaucht. Auf seinem Label veröffentlicht er auch sein zweites Album "Stimulationszeitalter", in dem er auf den Spuren von Kraftwerk wandelt und C64-Stimmen und klassische Elektrogrooves verwendet.

Auch als Remixer ist Anthony Rother recht gefragt und fertigt u.a. Mixe für Thomas Schumachers Hit "When I Rock" und Sven Väths "Schubdüse" an. Väth engagiert ihn auch als Co-Produzent bei vier Tracks seines "Contact"-Albums an, auf dem Väth mit Johannes Heil ein weiteres Kanzleramt Mitglied verpflichtete.

1999 kümmert sich A. Rother mehr um die Ausarbeitung seiner Liveperformance und geht mit Sven Väth auf Amerika Tour, in deren Verlauf Rother auch die Hütte in Mexiko rockt. Mit dem 2000 erscheinenden Album "Simulationszeitalter" katapultiert sich Rother an die Spitze der größten Elektronik-Producern und Remixern unserer Zeit, Songs von ihm sind in vielen namhaften Clubs zu hören und selbst Größen wie Dave Clarke und Radioactive produzieren Remixe für ihn. Auch die 2002 und 2003 erscheinenden "Hacker" und "Elixir Of Life" sind sehr erfolgreich, können aber mit "Simulationszeitalter" nicht mithalten.

2006 erscheint mit "Super Space Model" sein siebtes Album, auf dem er einmal mehr dem selbst mitgestalteten Electroclash-Soundbild treu bleibt. Schlanke Electro-Beats, Synthiespielereien und ein bisschen Vocoder-Fiepsen im reduzierten Retro-Style ist wohl auch das, was seine Fans von Rother erwarten.

 

von Slater
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Montag, 7. april 2008
Mit Sven Väth hätte das ZDF eigentlich einen perfekten Kandidaten für die schwachsinnige Serie „Unsere Besten“, eine lebende Legende, setzt der DJ inzwischen seit mehr als 20 Jahren Akzente im weiten Raum der elektronischen Tanzmusik. Ein Titan des Techno, wird er von vielen zeitgenössischen Experten an den Beginn gleich mehrerer Strömungen, des „Sound of Frankfurt“ natürlich, des Trance, aber auch der EBM, eigentlich eine belgische Angelegenheit, gesetzt. Biografisch lässt er sich indes hervorragend in den Lauf der Geschichte einbauen, die Eltern sind Clubbesitzer, er vertritt einen kranken DJ, dem 1964 bei Frankfurt geborene Mann ist die Disco der 70er Jahre eine Kinderstube, er büchst des Nachts aus, treibt sich in der Nähe des Flughafens herum, und wird vom Gast zum Zeremonienmeister im Dorian Gray – eine Großraumdisko am Frankfurter Flughafen, die Ende 2000 geschlossen wird.

 

Das ist 1982, Sven Väth begreift die Berufung zum DJ umfassend, er ist Zeremonienmeister, extravagant, einer der heute weiß, wovon er spricht, wenn er kluge Sachen über den Drogenkonsum sagt. Für Sven Väth geht es ums Tanzen, die Kommunikation mit der enthusiastischen Masse ist ihm wichtig. Sein Einfluss reicht verblüffend weit. Selbst die manchmal skurril wirkenden Ausrufe des Superstarvogels Mark Medlock scheinen direkt der Sven Väth-Schule entlehnt zu sein: mit kurzen, sehr hessischen Ausrufen, der Aufforderung zu feiern, erarbeitet er sich ein legendären Ruf.

 

Naja, primär ist es natürlich die Musik, die sich allerdings nicht so einfach auf eine Vokabel bringen lässt. Zu lang ist der Weg des Techno, den Sven Väth begleitet und mitgestaltet. Von den ersten Versuchen, mit den zwei Plattenspielern der elterlichen Disko für neue Hörerlebnisse zu sorgen bis hin zum Markennamen, der weltweit, und das heißt wirklich weltweit, gebucht wird. Er prägt den Dancefloor, die Clubkultur, Techno, Trance, nimmt Teil an der kurzen Acid-Zeit in Deutschland, ist früh in Ibiza unterwegs, bringt immer wieder dieses Ethno-/Tribal-Zeugs ein, er könnte prima den Kollegen vom Superbösewicht in einem James-Bond-Film spielen, der in einem Baumhaus auf dem Anwesen desselben, umgeben von seinen Jüngern den Tag zur Nacht macht. Am Anfang stehen Soul und HI-NRG, Sven Väth ist ein bunter Vogel des Frankfurter Nachtlebens, er gehört zu den DJs, die ihre Hörer nicht einfach bedienen, sondern sie auf eine Reise mitnehmen, von der nicht wenige glücklich, aber mit einem Hörsturz heimkehren.

 

Wie bei DJs üblich sind auch die meisten Produktionen zum Mitnehmen von Sven Väth Remixes und Mix-Compilations, das, was man Studioalben nennt, gibt es erst in den 90er Jahren – allerdings leistet Väth auch auf diesem Gebiet Pionierarbeit. Es ist wirklich erstaunlich, was ihm alles zugeschrieben wird – der mutige Mix scheint eine Kerneigenschaft des Musikers zu sein, er heiratet schließlich mit einer buddhistischen Zeremonie in Wien eine Handschuhdesignerin. Wir greifen wieder vor. Mitte der 80er Jahre legt Sven Väth an jedem Wochenende im Frankfurter Vogue auf, hier erreicht ihn die House-Music aus Chicago.

 

Frankfurt feiert sich, House und Sven Väth, inzwischen ist der auch auf Ibiza unterwegs und gründet 1986 mit Michael Münzig und Luca Anzilotti (der ist später an Snap! beteiligt), das Projekt Off. Bis 1989 entstehen zwei Alben, mit der Single „Electrica Salsa“ wird Sven Väth zum Popstar. Es folgen einige Hits, die heute keine mehr wären, historisch relevant sind jene Schritte, mit denen der DJ ein umfassendes Imperium aus dem Boden stanzt.

 

Sven Väth – Omen

 

Sven Väth ist zurück im Dorian Gray, als er sich 1988 für einige Monate aus Frankfurt verabschiedet, zurückkehrt und das Vogue kauft. Das Ding wird generalüberholt und als Omen neu eröffnet, und zwar genau im richtigen Moment, um etwas von der kurzen, aber gewaltigen Acid-Welle abzubekommen. Michael Münzing bleibt geschäftlich an seiner Seite, hinzu kommt Mathias Martinson. Matthias Hoffmann produziert das zweite und letzte Album von Off, mit ihm und Steffen Britzke startet Sven Väth nun (für einige Monate als Sam Vision) das Projekt Mosaic.

 

Ab 1990 wird die Live-Arbeit von Sven Väth zunehmend härter, Techno ist jetzt angesagt, das Omen wird zu einer Art Wallfahrtsort. Der nächste Schritt ist das eigene Label Eye Q, das er mit Hoffmann und dem Verleger Heinz Roth gründet, mit Harthouse und Recycle or Die folgen zwei weitere. Sven Väth geht mit seinen eigenen Sets neue Wege, wird hypnotischer, Trance entsteht bzw. der Sound of Frankfurt. Das alles spielt sich in vergleichsweise kurzer Zeit ab – allerdings ist mit gewöhnlicher Zeitmessung der Sache nicht beizukommen, schließlich sind die Nächte lang genug für eine gemächliche Entwicklung.

 

Als Barbarella veröffentlicht er „The Art Of Dance“, mit Ralf Hildenbeutel entsteht das erste Album des Künstlers Sven Väth: „Accident In Paradise“ erscheint im September 1992, 1994 folgt „The Harlequin, The Robot And The Ballett Dancer“. Sven Väth ist ein Superstar einer Szene, die Massen bewegt, mit der die Meinungsmacher jedoch nicht so richtig umzugehen wissen. Die Warner Music Group fädelt einen Deal mit Eye Q ein, Sven Väth bastelt viel an Tracks für Harthouse, Remix-Versionen der Soloalben werden zu Erfolgen, als Astral Pilot veröffentlicht Väth „Electro Acupuncture“ – ein merkwürdiges Werk. Die gesamte Elektrowelt befindet sich massiv im Umbruch, der Underground, der riesige, löst sich auf – besser gesagt werden im Underground Mauern gezogen und Schützengräben ausgehoben. So ganz ist nicht raus, warum Eye Q und Harthouse plötzlich pleite sind, Sven Väth zeichnet aus, dass er zuvor bereits die Reißleine zieht und sich aus dem Geschäft verabschiedet.

 

Sven Väth – Cocoon

 

Seit 1996 feilt er an Cocoon, einem umfassenden Konzept (nach Vertriebs-, Vermarktungs- und künstlerischen Aspekten) für elektronische Kunst, erste Veranstaltungen finden statt. 1997 folgt der Abschied von Eye Q und Harthouse, Sven Väth unterschreibt bei Virgin Records, im März 1998 erscheint das Album „Fusion“. Alles ist Fusion, Väth vermählt verschiedene elektronische Musikrichtungen miteinander, hat ein Veranstaltungskonzept, geht aus Fusion-Welttournee und kooperiert verstärkt mit berühmten Kollegen.

 

Das Omen schließt im Oktober 1998. Im neuen Jahrtausend ist alles Cocoon. Im März 2000 erscheint „Contact“, ein Konzeptalbum, im selben Jahr folgen „Retrospective 1990-97“ und mit „The Sound Of The First Season“ der Beginn einer Reihe, die inzwischen die Marke repräsentierende Tradition ist. Während im elektronischen Zeitalter die elektronische Bewegung eingeschlafen scheint bzw. die Helden der ersten Jahre oft nur noch wenig gelten (wenn man einmal von ihren Arbeiten der ersten Jahre absieht – eine an sich recht vernünftige Entwicklung), bleibt Sven Väth dick im Geschäft. Ihn zieht es um den kompletten Erdball.

 

2002 erscheint „Fire“, ein Album, auf dem er mit Miss Kittin „Je T´aime … Moi Non Plus“ verarbeitet. Inzwischen hat er ein enormes Standing, selbst Obertshausen, sein Heimatort, bittet offiziell um einen Abend, man spürt, gerade wenn man in die Feuilletons lauscht, dass Sven Väth inzwischen mehr als ein etablierter Künstler ist. Als zeitgeschichtlich relevante Person wird ihm Respekt von Stellen entgegengebracht, die grundsätzlich mit ihm und seiner Musik nichts anfangen können. Aber so ist der Lauf der Dinge – und für Cocoon läuft es wie geschmiert.


von Slater
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Sonntag, 6. april 2008
Monika Kruse


Wohl jedem Freund elektronischer Klänge dürfte in den vergangenen 15 Jahren der Name Monika Kruse mehrfach zu Gehör gekommen sein. Sei es auf einem ihrer Gigs, auf denen sie die Tanzflächen rund um den Erdball zum Kochen bringt oder mit einem ihrer zahlreichen Releases; sie ist einfach immer und überall. Trotz allem fand sie die Zeit, für uns den Soundtrack des bevorstehenden Sommers abzumischen und ein paar Fragen zu beantworten.


MK: Gute Frage. Wie kommt man dazu? Irgendwie war es wieder an der Zeit, so etwas zu machen, zumal auch die Fans schon mehrfach nachgefragt hatten, ob ich nicht mal wieder ein Set von mir auf CD veröffentlichen kann. Daraus entwickelte sich dann wohl die Grundidee zu „On The Road Vol. 4”.

RL: Warum fällt diese CD etwas zurückhaltender aus als ihr Vorgänger?

MK: „On The Road Vol. 3“ erschien als Doppel-CD, wovon eine CD lediglich dem Peak-Time Techno und die andere den ruhigeren, melodiöseren Tracks gewidmet war. Dieses Mal wollte ich bewusst den Spannungsbogen so wie bei einem mehrstündigen Set setzen: Minimal anfangen, Gas geben, zurückfahren, mal ruhig, mal melodiös, dann etwas Peak-Time Techno - alles andere wäre mir zu langweilig erschienen. Dass die „harten Sachen“ bei dieser CD etwas zu kurz gekommen sind, liegt wohl daran, dass mir derzeit die groovigeren, verspielteren Produktionen mehr liegen. Wer mich kennt, der weiß, dass ich mich in den vergangenen 15 Jahren immer weiterentwickelt habe. Das ging über Hip Hop, Funk, Soul bis hin zu Deep House. Dann kamen die harten Technotracks mit ins Spiel. Doch ich finde, in letzter Zeit wiederholt sich in diesem Stil einfach zu viel. Ich aber brauche die Abwechslung in der Musik.

RL: Dass du die nötige Abwechslung in der Musik benötigst, sieht man auch anhand deiner beiden Labels. Worin liegt der Unterschied zwischen Electric Avenue und Terminal M.?

MK: Definitiv im Sound. Terminal M. steht für den Peak-Time Techno, für das hektische Treiben, wie man es eben von einem Flughafen gewohnt ist. Alles ist schnell und laut. Electric Avenue dagegen steht für das Verspielte, Ruhige und Melodiöse. Es gleicht dem Autofahren auf einer verkehrsarmen Straße ohne Zeitdruck, ohne Ziel.

RL: Entspricht das Set auf der CD einem deiner letzen Gigs?

MK: Nur so ungefähr. Live kann man ja sehr spontan reagieren und auf das Publikum eingehen, hier und da noch schnell eine andere Platte aus dem Case ziehen, wenn es sein muss. Bei der CD muss ich aber im Vorfeld die Freigaben der einzelnen Künstler bekommen und dabei scheiden dann leider schon einige Wunschkandidaten wegen zu hoher Preisvorstellungen im Vorfeld aus. Aus den Scheiben, für die ich das Okay zur Verwendung bekam, habe ich dann versucht, einen roten Faden zu spinnen, der einem Set von mir sehr nahe kommt.

RL: Deine DJ-Karriere geht nun schon ins fünfzehnte Jahr. Wie fühlt man sich nach so langer Zeit?

MK: Man fühlt sich schon älter und steckt auch nicht mehr jede Partynacht so leicht weg wie mit 20. Aber es macht immer noch Spaß. Es wird einfach nicht langweilig. Ich liebe es!

RL: Keine Pause?

MK: Doch! Kleine Auszeiten müssen einfach sein; Zeiten, in denen ich völlig ohne Plattenkoffer verreise. Ein Wochenende pro Monat halte ich mir auch immer frei für meine Freunde, die ich sonst nicht treffen kann. Da ist es mir wichtiger, die Basis zu meinen Leuten nicht zu verlieren, als noch einen Gig mehr zu bestreiten.

RL: Und wie sieht es in 15 Jahren aus?

MK: Vielleicht mache ich noch irgendetwas mit Musik. Aber ich hatte mir auch schon mal überlegt, so ab Mitte 40 vielleicht noch eine Ausbildung zur Heilpraktikerin zu starten. Chinesische Medizin interessiert mich sehr oder die Arbeit als Masseurin. Egal, es sollte auf jeden Fall mit Menschen zu tun haben. Ich muss einfach weiterhin Energien übertragen können, so wie jetzt beim Auflegen.

RL: Hast du nach all den Jahren noch Lampenfieber?

MK: Immer! Ich bin angespannt vor jedem einzelnen Gig. Man weiß ja nie, wie es wird, wie das Publikum drauf ist. Es passiert, dass ich in einem kleinen Club mit 50 Gästen nervöser bin als wenn ich vor 10.000 Leuten spiele. Aber wahrscheinlich ist es genau das, was es so spannend macht. Es ist eben kein 08/15-Job. Das Ungewisse sorgt immer für die nötige Spannung bzw. Anspannung.

RL: Spannend ist ja derzeit auch das Float-Voting für die Loveparade in Berlin. Du hast dich mit „No Historical Backspin“ um einen Float beworben. Wie siehst du deine Chancen?

MK: Ich weiß es nicht. Ich hoffe aber sehr, dass wir dabei sind, denn das Line Up mit Ricardo Villalobos, dan Curtin und Dave Shokh und anderen kann sich wirklich sehen und hören lassen. Obwohl, „wir“ ist leider nicht ganz richtig, denn ich selber bin ja leider nicht mit dabei, da ich an diesem Tag auf der „Sensation White“ spiele und dieses Booking schon stand, bevor es hieß, dass die Parade nach Berlin zurückkehrt. Das hat mich natürlich ein bisschen traurig gemacht, zumal ich auch wieder an der Siegessäule spielen sollte. Aber ich habe nun schon einen anderen Gig, den ich auf keinen Fall hätte absagen wollen.

RL: „No Historical Backspin“, dein Projekt gegen Rassismus, Gewalt und Intoleranz, existiert nun schon seit dem Jahr 2000. Was passiert aktuell?

MK: Zurzeit versuche ich, das wieder etwas zu intensivieren. Die nächste Party dieser Reihe steht auch schon fest und ist am 14. Juni 2006 im „Watergate“ hier in Berlin. Es ist aber nach wie vor schwierig, für diese Sache alles auf die Beine zu stellen. Du musst die DJs überzeugen, ohne Gage zu spielen und du musst einen Club finden, der auf einen Teil seiner Einnahmen verzichtet. Aber ich möchte das nicht aufgeben, denn das Thema ist nach wie vor aktuell. Ich finde, diese Veranstaltungsreihe hat bisher recht gut funktioniert und wird es auch weiterhin; wenn auch jedes Mal mit enormen Aufwand im Vorfeld.

RL: Das 50. Release auf Terminal M Records ist soeben erschienen. Ein relativ großer Teil davon stammt von dir selbst. Andere brauchen halbe Ewigkeiten, um einen Track an den Start zu bringen. Bei dir scheint es, als würdest du pausenlos einen kreativen Schub bekommen.

MK: Stimmt! Ich habe mich letztens selbst etwas erschrocken, als ich den Backcatalogue gelesen habe, wie viel da von mir dabei ist. Aber ich produziere ja auch schon seit zehn Jahren. Doch pausenlos kreative Schübe habe ich nicht. Wenn ich alleine im Studio sitze, dauert es schon ungefähr einen Monat, bevor ein Track sich so anhört, wie ich ihn mir vorstelle. Schneller geht das nur, wenn ich mit jemandem zusammenarbeite. Das hat den Vorteil der gegenseitigen Inspiration. Da wird hier und da noch eine HiHat anders gesetzt, die Bassdrum anders betont oder man probiert noch einen völlig anderen Synthiesound aus und ist einfach mit viel mehr Spaß an der ganzen Sache dabei. Da kann es dann auch passieren, dass, wie bei der aktuellen Single, die zusammen mit Patrick Lindsey entstanden ist, uns kein passender Titel einfiel. Als ich dann fragte: 'Und wie heißt der Scheiß jetzt?', kürzten wir kurzerhand meine Frage auf ein paar Anfangsbuchstaben zusammen und nannten das Ganze dann „whds“.

RL: Wann und wo bekommen wir dieses Buchstabengewirr bzw. dich in diesem Sommer denn zu Gesicht oder besser gesagt zu Gehör?

MK: Ich freue mich riesig auf die „Sensation White“. Dort hatte ich im vergangenen Jahr schon Gänsehaut-Feeling und bin gespannt, was dieses Mal passiert. Dann geht’s auf ein Festival nach Japan, zusammen mit Carl Cox im August nach Ibiza und mein Geburtstag steht vor der Tür. Da ich ein großer Fan von Richie Hawtin bin, habe ich ihn eingeladen, mit mir zusammen an diesem Tag aufzulegen. Wir feiern am 23. Juli tagsüber auf dem Schloss in Meiningen; nähere Infos dazu wird es wohl in Kürze auch geben. Ich hoffe nur, dass auch das Wetter mitspielt.




 
von Slater
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